Brand im Winterlager: Wird Segel zur Abdeckplane?

Ein Brand im Win­ter­lager zieht nicht nur eine sehr hohe Schadenssumme mit sich, son­dern auch ungewöhn­liche Schä­den:

Ein Eign­er nutzt den Blis­ter seines Schiffes im Win­ter­lager als Abdeck­ung für das Schiff. Im Win­ter­lager kommt es zu einem Brand, das Segel mit einem Neuw­ert von ca. 1.500 Euro wird zer­stört.

Bei einem Blis­ter han­delt es sich um ein Vorsegel, welch­es ähn­liche Eigen­schaften wie ein Spin­nakar oder Gen­nakar hat, jedoch ähn­lich sim­pel wie eine Gen­ua zu bedi­enen ist.

Die Ver­sicherung ist der Mei­n­ung den Ver­sicherungsnehmer nur mit ein­er Summe von 120 Euro für eine neue Abdeck­plane entschädi­gen zu müssen. Der Schiff­seign­er entsch­ied sich zu kla­gen.

Das Landgericht Berlin ( 30.12.2016, 23 O 236/15) entscheidet wie folgt:

Der Blis­ter ver­liert durch seine Nutzung als Bootsab­deck­ung nicht seine Eigen­schaft als Segel. Auch die Absicht des Klägers, den Blis­ter nicht wieder als Segel zu ver­wen­den, führt nicht zum Ver­lust der Eigen­schaft als Segel. Eine soge­nan­nte Entwid­mung des Segels kommt lediglich in Betra­cht, wenn das Segel nach sein­er Nutzung als Bootsab­deck­ung,  in der Ver­wen­dung als Segel kom­plett untauglich wird.

Auch der Ein­wand der Ver­sicherung, die Nutzung des Segels als Staub­schutz sei grob fahrläs­sig, wies das Landgericht zurück.

Dies ist ver­mut­lich darauf zurück­zuführen, dass auch viele andere zum Staub­schutz ver­wen­dete Stoffe leicht ent­flamm­bar sind.

Das Landgericht entsch­ied also zu Gun­sten des Klägers, der Ver­sicherung stand kein Leis­tungskürzungsrecht zu. Der Blis­ter wurde in seinem Neuw­ert von der Ver­sicherung erset­zt.