AGB ungültig — Ersatzschiff bei Charter muss nicht angenommen werden

Der Som­merurlaub ist geplant, das gewün­schte Schiff gechar­tert. Vor Ort bekom­men Sie jedoch ein anderes Schiff zugeteilt, es wird auf die AGB (All­ge­meine Geschäfts­be­din­gun­gen) ver­wiesen. Recht­ens ist dies nicht, so entsch­ied das Amts­gericht Waren / Müritz (2012, Az. 303 C 340/12).

Verweis auf Ersatzschiff

Nicht nur Koje­nan­zahl, Tief­gang, tech­nis­che Ausstat­tung und Schiff­s­länge müssen bei der Auswahl der richti­gen Char­tery­acht berück­sichtigt wer­den. Oft­mals ver­gle­icht man dazu viele Char­terun­ternehmen, um das beste Preis-Leis­tungsver­hält­nis zu erre­ichen. Nach einigem Kopfzer­brechen, haben Sie sich endlich für die opti­male Yacht entsch­ieden. Im Inter­net wird sich durch die Buchung gek­lickt, die AGB sind mit einem Klick akzep­tiert. Wenige Wochen später ste­hen Sie mit gepack­ten Taschen im Hafen.  Dort wird Ihnen mit­geteilt, dass die gechar­terte Yacht im Moment nicht zur Ver­fü­gung ste­ht. Mit einem Ver­weis auf die AGB stellt man Sie kurz­er Hand vor ein Ersatzschiff. Dieses ist wenige Fuß länger, was wiederum mehr Tief­gang bedeutet. Dazu ist die Yacht mit ein­er Roll­fock und einem Steuer­rad statt ein­er Pinne aus­ges­tat­tet. Genau aus diesen Grün­den haben Sie sich eigentlich für das andere Schiff entsch­ieden.

Müssen Sie nun die verän­derten Tat­sachen hin­nehmen?

Das Amts­gericht Waren / Müritz entschei­det: Nein.

AGB-Kontrolle

AGB sind im Inter­net schnell akzep­tiert, ohne Sie richtig zu lesen. Dies kann in der eben geschilderten Sit­u­a­tion schnell zu Ver­wirrun­gen führen. Den Fehler suchen Sie bei sich — Sie haben schließlich die AGB nur über­flo­gen.

Allerd­ings sind AGB oft­mals unrecht­mäßig. Im BGB find­et man in  den §§ 305–310 nicht ger­ade wenige Ver­bote. Auch die AGB unseres Char­terun­ternehmen beste­ht die AGB-Kon­trolle nicht. Hier kön­nte beispiel­sweise § 308 Nr. 4  BGB ein­schlägig sein: Diese Norm ver­bi­etet einen Änderungsvor­be­halt, wenn diese Verän­derung für einen Ver­trag­steil unzu­mut­bar ist.

Davon ist vor­liegend auszuge­hen. Zum einem kann man den Urlaub auf einem Char­ter­schiff nicht ger­ade als Low-Bud­get-Trip beze­ich­nen, ger­ade dann möchte man auch das konkret gebuchte Schiff nutzen kön­nen. Nicht jed­er Hafen kann ab einem bes­timmten Tief­gang ange­laufen wer­den — die Route muss also ggf. zwangsweise geän­dert wer­den. Alles Fak­toren, die dem Reisenden nicht zuzu­muten sind.

Lassen Sie sich von Ihrem  Char­terun­ternehmen also nicht über­rumpeln. AGB sind oft­mals unwirk­sam und Ihr Anspruch auf Schadenser­satz nicht sel­ten gegeben.
Soll­ten Sie sich in ein­er ähn­lichen Sit­u­a­tion befind­en, kon­tak­tieren Sie uns für einen schnellen rechtlichen Rat!